Leipziger Jazztage
Seit 1976 veranstaltet der jazzclub leipzig e. V. die Leipziger Jazztage. Sie finden alljährlich im Herbst (meist Ende September, Anfang Oktober) statt, dauern ca. 10 Tage und eröffnen den Leipziger Festivalherbst. Die Leipziger Jazztage zählen heute zu den traditionsreichsten und renommiertesten deutschen Jazzfestivals und gehören zu den musikalischen Höhepunkten der Stadt. Die künstlerische Orientierung des Festivals folgt seither der Überlegung, zeitgenössischen Jazz in einer Vielzahl prägnanter Erscheinungsformen vorzustellen, darunter auch neuere Strömungen der Klubszene. So werden neben internationalen Stars auch bemerkenswerte Newcomer einer nachwachsenden Jazzmusikergeneration einem breiten Publikum präsentiert. Das Festival versteht sich dabei als generationsübergreifendes Angebot. Eine Besonderheit sind die eigens für das Festival initiierten Projekte mit neu zusammengestellten Formationen herausragender Künstler, die so bisher nicht zu hören waren. Dadurch wurden Konzerte der Leipziger Jazztage sogar auf Tonträgern veröffentlicht, wie beispielsweise beim legendären Münchner Jazz-Label ECM. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die Konzerte für Kinder (Jazz für Kinder), die besonders jungen Familien ein anspruchsvolles und unterhaltsames Programm bieten. In thematischer Entsprechung wird das Festival von Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und Filmvorführungen begleitet. Eine große Fangemeinde, zahlreiche Besucher und viele Musiker sind den Leipziger Jazztagen seit vielen Jahren verbunden. Die Konzerte finden an unterschiedlichsten Spielstätten wie beispielsweise dem Opernhaus, der Moritzbastei, der Evangelisch-reformierten Kirche, der naTo, dem UT-Connewitz oder dem Werk II statt. Das Festival hält eine enge Bindung zur polnischen Jazzszene und arbeitet seit vielen Jahren mit dem Polnischen Institut Berlin (Außenstelle Leipzig) zusammen. Daneben besteht eine intensive Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Es bestehen außerdem Kooperationen mit dem US-Konsulat, verschiedenen Botschaften und Musik-Labels. Die Leipziger Jazztage sind nur durch das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder des jazzclub leipzig e.V. möglich, denen oft nicht mal eine Aufwandsentschädigung gezahlt werden kann. Die Leipziger Jazztage sind Kulturpartner des MDR-Figaro. Konzertmitschnitte des Festivals werden über MDR-Figaro und Deutschlandfunk bzw. Deutschlandradio gesendet. Weitere Informationen unter: www.jazzclub-leipzig.de
Wer wir sind:
Der Jazzclub Leipzig wurde 1973 gegründet und gedieh als Freundeskreis innerhalb des Kulturbundes vergleichsweise im Windschatten damaliger DDR-Kulturpolitik.
Durch beharrliche und engagierte Bemühungen von Jazzfreunden gelang es, Konzer-te und von 1976 an die Leipziger Jazztage zu organisieren. Was relativ klein (1976 in einem Kino und 1977 in einem Hörsaal) anfing, erreichte innerhalb weniger Jahre eine erstaunliche Größendimension: Von 1978 an fanden die Leipziger Jazztage in der repräsentativen Leipziger Kongresshalle statt. Zugleich erweiterte sich das Spektrum. Es gelang, auch durch zahlreiche private Kontakte und Netzwerke, in ver-stärktem Maße Musiker und Musikerinnen aus den osteuropäischen Ländern und aus Westeuropa einzuladen.
Die Leipziger Jazztage wurden – von der Kulturbürokratie gerade deshalb kritisch beäugt – zu einem Ort internationaler musikalischer Begegnung und zu einem Treff-punkt für die Jazzgemeinde in der damaligen DDR. Konzeptionell lag der Schwerpunkt auf der Präsentation von neuem, zeitgenössischem Jazz, wobei der Avantgarde breiter Raum gewährt wurde. Auch aufgrund dieser Spezifik haben die Leipziger Jazztage in den 80er Jahren internationale Bedeutung erlangt, was sich auch in zahlreichen westlichen Fachpublikationen niedergeschlagen hat.
Der jazzclub leipzig zählt zu den wenigen kulturellen Organisationsformen, die die grundlegenden Veränderungen 1989/90 überlebt haben. Integrität und ein hoher Qualitätsanspruch an die präsentierte Musik bei gleichzeitiger Beachtung der Publikumsinteressen waren die Voraussetzung, um die Aktivitäten ausweiten und intensivieren zu können.
So gelang 1991 ein unter den veränderten Rahmenbedingungen bedeutender Neube-ginn. Durch die großzügige Unterstützung der Oper Leipzig wurde es möglich, das Hauptprogramm auf der repräsentativen Opernbühne vorzustellen. Die künstleri-sche Orientierung des Festivals folgte seither der Überlegung, herausragende Musiker bzw. Ensembles des zeitgenössischen Jazz, gleichwohl aber auch neue Tendenzen und spezielle Projekte zu präsentieren, um sich so bewusst vom „Warenhauscharakter“ anderer großer Jazzfestivals abzuheben.
Heute zählen die Leipziger Jazztage zweifellos zu den renommiertesten deutschen Jazzfestivals, und sind in der Gesamtanlage die einzigen ihrer Art in den neuen Bun-desländern. In den letzten Jahren wurden Jazzgrößen wie John McLaughlin, Jan Gar-barek, Chick Corea, Nat Adderley, Albert Mangelsdorff, Lester Bowie, Abdullah Ib-rahim/Dollar Band, Charles Lloyd oder Carla Bley mit gleicher Aufmerksamkeit bedacht wie neue musikalische Strömungen, repräsentiert beispielsweise durch Musiker wie John Zorn, David Moss, Maggie Nichols und Phil Minton.
Ergänzend zum Hauptprogramm sind die Konzerte mit improvisierter Musik in der Reformierten Kirche (Kirchenorgel im Dialog mit Stimmen und anderen Instrumen-ten), das Piano-Solokonzert im Festsaal des Alten Rathauses, eine Matinee unter dem Motto „Jazz für Kinder“ sowie die Nacht-Sessions in der Moritzbastei und die Nacht-Klänge in der naTo zu einer festen Tradition geworden.
Durch die Vielzahl der Spielstätten, auch unter Einbeziehung des städtischen Freiraums, entsteht ein spezielles Flair, das von zahlreichen Besuchern als Besonderheit des Festivals hervorgehoben wird. Neben international renommierten Musikern präsentieren die Jazztage überdies bemerkenswerte Talente einer nachwachsenden Jazzmusikergeneration. Mit Bands wie Zbigniew Namyslowskie, Milan Svoboda, Tomasz Stanko oder Eric Truffaz kamen stets auch osteuropäische Jazzmusiker in das Programm des Festival, das alljährlich zeitgenössischen Jazz in einer Vielzahl von prägnanter Erscheinungsformen vorstellt.
In thematischer Entsprechung oder in bewusstem Kontrast erweisen sich die einzelnen Programmteile und ihre Abfolge als wohlüberlegt, auch hinsichtlich des Verhältnisses von Popularität und Avantgarde. An ein breites, dem Jazz gegenüber aufgeschlossenes Publikum adressiert, bekräftigen die Leipziger Jazztage zugleich das Anliegen, nicht nur große Namen vorzuführen, sondern auch anspruchsvolle musikalische Prozesse der Gegenwart darzustellen.
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